22. Juni 2011

Zum 70. Jahrestag des Angriffs auf die Sowjetunion

Unser Gedenken darf keine Opfergruppe in den Schatten politischer Gegenwartsinteressen stellen.“

Bärbel Beuermann, Fraktionsvorsitzende und Europapolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag NRW, findet anlässlich des 70. Jahrestages des Beginns des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni klare Worte:




„Dieser Mittwoch ist für die meisten von uns ein denkbar normaler Tag, für andere hingegen weckt er Erinnerungen an das wohl schlimmste Kapitel ihres Lebens.

Der Angriffskrieg gegen die Sowjetunion reihte sich ein in eine Vielzahl von deutschen Aggressionen, die seit 1938 die Europäische Politik dominierten.“

Die Qualität dieser Offensive allerdings sei eine neue gewesen: Ein Krieg, der explizit als Vernichtungskrieg gegen die russische Bevölkerung konzipiert und geführt wurde, sei nicht einfach „eines der zahllosen Verbrechen der Hitler-Regierung“.

Beuermann, selbst aktive und engagierte Pazifistin, bedauert aufrichtig, dass dieser Tag in der deutschen Erinnerungskultur praktisch keine Rolle spiele.

„Dies ist umso beschämender, weil die ideologische Verklärtheit des Kalten Krieges eine Aufarbeitung verhindert hat, die dringend notwendig gewesen wäre.

Zivilbevölkerung und kriegsgefangene Soldatinnen und Soldaten der Roten Armee wurden in schier endlosen Zahlen der deutschen Wirtschaft in faktischer Sklaverei zur Verfügung gestellt“, so Beuermann weiter.

„Erinnerungsarbeit an dieser Stelle bedeutet für mich auch, dass endlich und angemessen Entschädigungsleistungen für jene wenigen Überlebenden bereitgestellt werden.

Auch fordere ich, dass das Leben und das Schicksal dieser Millionen Menschen in der offiziellen Erinnerungskultur der Bundesrepublik endlich eine respektvolle, würdevolle Beachtung erfährt. Es fehlt den politisch Verantwortlichen in diesem Land aber mehrheitlich offensichtlich der Wille zu beidem.“

Die Abgeordnete unterstützt vor diesem Hintergrund auch die Forderungen, die die Initiative »Vergessene Opfer des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion« jüngst im Memorandum „Aus dem Schatten der Erinnerung“ zusammengefasst hat.

Memorandung: Aus dem Schatten der Erinnerung


Als besondere Ehre empfindet Beuermann es, durch den Russischen Generalkonsul Herrn Schmagin bereits am 21. Juni nach Bonn eingeladen zu sein, um dort unter anderem mit russischen Kriegsveteranen einer Gedenkstunde beizuwohnen.